Dieser Bericht ist in leicht gekürzter Form das Reisetagebuch einer jungen, blonden Frau, die sich alleine aufgemacht hat, um in Nepal über das Leben nachzudenken!

 

Steffi Ehemann

Steffi Ehemann

 

Tag 1

Meine Reise fing ganz wunderbar „entspannt“ in Dubais Terminal 2 an. Bei Fly Dubai am Check-In-Schalter stehen in der Regel 50 lokale Großfamilien mit je 40 Koffern und Plastiktaschen sowie 3-10 „wohlerzogenen“ Kindern. Prinzipiell sind max. zwei Schalter besetzt.

Streitsituation Nr. 1: Hinter mir stand eine Maid oder Mutter mit einem ganz besonders „wohlerzogenen“ Kind. Die Mutter – leider nicht ganz die Hellste – ist mir zunächst 3x mit ihrem Trolley in die Hacken gefahren, bis ich sie nahezu freundlich darum gebeten habe, dies netterweise zu unterlassen. Was macht das Kind? Es äfft mich nach!!! Ich dachte, ich hör nicht richtig. Meine Hand stand kurz davor auszurutschen. Was macht daraufhin die Mutter? Sie fährt mir in die Hacken. Dann ist der freche „Knirps“ auch noch an dem Trolley und mir rumgeturnt und hat mir dabei fast die Boyfriendjeans runtergerissen. Umso dankbarer war ich, als ich den Emergency Seat am Gang bekam und die Raucherlounge trotz Ramadan geöffnet hatte.

Im Taxi, auf dem Weg zum Flughafen, hatte ich vorher angefangen die Reiselektüre „The Seven Spiritual Laws of Success“ zu lesen. Das erste Gesetz lautet „Law of pure potentiality“ und eine der Regeln, die man praktizieren soll heißt „Practice nonjudgement“. YO – aber sicher doch…ab morgen dann.

Ich empfehle außerdem jedem der nach Nepal oder Indien fliegt, extra laute Musik mitzunehmen und vor dem Abflug Entspannungsdrogen einzwerfen. Was ist an „No mobiles during departure and landing due to safety issues” (in 3 Sprachen) nicht zu verstehen? HÄH?! Ein Blödmann hat bei Abflug telefoniert – da bin ich aber dazwischen. Daraufhin hat meine Sitznachbarin schnell ihren Akku aus dem Handy genommen. Zum Glück saß kein unerzogenes Kind neben mir. Dennoch hatten die Sitznachbarn allesamt super extra laute Organe und müde wurden sie auch nicht. Ich konnte noch nicht einmal „Drei Fragezeichen“ hören, weil ich kein Wort verstanden habe – speziell gelagerter Sonderfall…

Dann habe mir erstmal einen Rotwein geordert und muss jetzt in diesem Moment, wo ich das handschriftlich in meinem Nepal Diary festhalte an ein Holzschild denken, welches einst in Omas und Opas Schrebergarten hing: „Das schönste an der Gartenarbeit ist das Gießen.“

In diesem Sinne – einen angenehmen Flug noch!

Ob die einem wohl so viel Rotwein ausschenken (verkaufen) wie man will? Mal sehen!

Tunes of the day: BEG_Bombay Bycicle Club & Chet Faker_No Diggity

Hab nun einen sitzen – 3.15pm Dubai Zeit – keine Ahnung wie spät es woanders ist.

…noch 1 Stunde bis zur Landung. Habe Hörsturz und möchte Rauchen. Zum Lesen ist es zu laut und Oropax gibt es nicht (Stewardess: „Sie freuen sich so sehr, nach Haus zu kommen.“) Bei allem Respekt und Verständnis – das geht auch leiser. Nochmals Wein ordern……..

 

Tag 2

Nach vier Stunden Schlaf beginnt nun mein erster Tag in Nepal. Nach der Ankunft am Flughafen wurde ich „sicher“ ins Hotel gebracht, wo ich mir direkt erstmal einen nepalesischen Salat und einen Rotwein bestellt habe. Bekommen habe ich eine Suppe (mit der Frage „oder wolltest Du Salat?“) und einen Weißwein (mit den Worten „Rotwein war aus“). Nun gut! Man möchte ja nicht unangenehm auffallen. Ich habe mich weder beschwert noch gemotzt. Nach 5 Minuten wurden die Holländer vom Nachbartisch vorstellig, das war nett. So saß man noch eine Weile im „Garten“ beisammen – in gediegener Atmosphäre, sozusagen. Mit dem einen Holländer geh ich heute Tempel anschauen. Die anderen sind eher Kulturbanausen. Jawohl!!!!

Hier geht gerade ein ganz lauter Alarm los mit Glockengebimmel. Wahrscheinlich Gebetszeit? Kann ich mit umgehen. Gehe jetzt frühstücken und mein zweites Kapitel lesen.

Übrigens: Die Sirenen waren dazu da, um Geister zu vertreiben (supported by the monks), weil eine Frau Selbstmord begangen hatte.

So, wir haben also heute unsere Tempel-Tour gemacht. Mit dem Hotelfahrer („Bart Simpson“, des T-Shirts wegen) ging es zunächst gen Osten zum Boudhanath Stupa.

 

Stupa

Stupa

 

Bekannt ist Bodnath wegen des großen Stupa, der seit Jahrhunderten eines der bedeutendsten Ziele buddhistischer Pilger aus Nepal und den umliegenden Regionen des Himalaya ist. Die Gründung geht zurück auf die Licchavi im 5. Jahrh. nach Christus. Mit einer Höhe von 36 m gehört der Stupa zu den größten seiner Art.

War sehr schön!

Danach ging es weiter zum Hindu Tempel Paschupatinath. Pashupatinath (wörtlich: Herr des Lebens oder auch Herr alles Lebendigen) bei Kathmandu in Nepal ist eine der wichtigsten Tempelstätten des Hinduismus. Hier wird Shiva als Pashupati (Gott des Lebens – ‚Pashu’=’Leben‘) verehrt. Die Tempelanlage liegt am heiligen Fluss Bagmati, etwa sechs Kilometer östlich von Kathmandu.

Riesengroß. Es wurden öffentlich Menschen verbrannt. Die Kremierung findet 24/7 statt, weil das bei den Hindus binnen 24 Stunden passieren muss. Fand ich persönlich etwas gruselig, insbesondere den Geruch (nicht, dass es grundsätzlich in Kathmandu besonders blumig riechen würde). Auf dem Hinweg lag auch eine Leiche auf der Straße.

Als ich zur Kuh im Tempel (ÜBERALL sind die Kühe am rumlaufen) „Hi Burger“ gesagt habe (kleiner Scherz meinerseits) hat sie ausgeschlagen.

 

Kathmandu

Kathmandu

 

Danach waren wir noch in einer der ältesten Städte Nepals – Patan. War sehr lieblich und das Essen sehr lecker.

 

Patan

Patan

 

Nun bin ich wieder zu Haus im Blue Horizon und lasse die Haare lufttrocknen (wie auch sonst) und dann gehe ich mit dem Holländer (welcher auch einen Namen hat, Sjoerd) nepalesisch essen und Reiswein trinken.

Oh what a night.

Wir waren in einem nepalischen Restaurant essen. Man kann hier eigentlich nie Gerichte auswählen. Es gibt stets das set dinner, mit Popcorn als Vorspeise gefolgt von einer weiteren besonders landestypischen Spezialität – Pommes…und ganz viel anderes noch (Mami, ich hab hier sogar Spinat gegessen!). Dazu wurde Reiswein gereicht. Der hat’s wirklich in sich – Hallelujah!

 

Steffi mit Reiswein

Steffi mit Reiswein

 

Danach sind wir noch in unserer Hod in einen nepalesischen Club eingekehrt, um den lokalen Whiskey zu verkosten. Es gab Karaoke, bzw eher eine Band. Ein Lied dauerte nur etwa eine Stunde.

Anschließend sind wir noch weiter gezogen in einen anderen „Club“ mit „Show Tanz“ (nicht soooo – Paartanz und Breakdance-Einlagen) und dann wollten wir heim. Leider hatte es in der Zwischenzeit angefangen, wie aus Eimern zu regnen. Also haben wir uns für die praktische Methode entschieden – Rikscha. Wir haben uns verfahren und dann ist das Gefährt auch noch stecken geblieben. Ich bin aber sitzen geblieben (feine Dame) und Sjoerd musste mit schieben. Der Arme musste heute um 6am los zum Trekken – ich hoffe, er hat es geschafft .

Ich gehe gleich noch mal rumlaufen, hier in Thamel und um 13 Uhr werde ich abgeholt und dann geht es weiter nach Pokhara.

 

Tag 3

Hallelujah! Das war’n Trip!

Ich weiß bis jetzt nicht warum – neben dem Fahrer – noch ein Guide dabei ist. Sein Name ist „Progress“ und sein Motto lautet: Alles für mein Karma. Mein Glaube daran, dass schon nichts schiefgehen wird, verstärkte sich in dem Moment, als ich samt Riesenreisetasche (ohne Helm, versteht sich) hinten auf sein Motorrad aufstieg um so zum Auto zu fahren – durch Kathmandu, während der Rush Hour! Dort angekommen (ohne ein gekrümmtes Haar), wurde mein Gepäck verladen, um mit dem Motorrad „kurz noch mal“ bei Progress zu Haus vorbeizufahren, um seine Sachen zu holen – es sei kurzfristig geplant, dass er mitkommt (???) Die Mutti war auch da, doch sie ist psychisch krank, weil der Vadder noch ne andere Frau hat und so schläft sie den ganzen Tag. Nette Wohngegend, nette Wohnung. Man, ich will mich nie mehr beschweren über unsere Wohnungen in Dubai oder Deutschland (vorerst wenigstens nicht). Noch kurz zur Motorradtour – ich konnte nach fünf Minuten nichts mehr sehen, weil die Luft „etwas“ staubiger ist und atmen…ging mittelgut. Aber: I survived!

Als wir endlich im Auto saßen war ich hocherfreut über den funktionierenden Anschnallgurt. Progress: „Brauchst Du doch nicht – solange Du positiv denkst.“ Nee, is genau richtig. Habe positiv gedacht, während ich angeschnallt war. Das war auch wichtig (das positive Denken) – dieser Verkehr…und dieses viele Hupen…man man man…ich habe mich zwischendurch stets gefragt, was eigentlich in mich gefahren war – allein nach Nepal zu reisen.

Die Fahrt (200km) hat dann auch nur 6.5 Stunden gedauert und wann immer ich bei Gegenverkehr aufschrie hieß es nur „you dont have to worry.“ Klaaaaaaar….ist ja auch ganz normal auf den halb ausgebauten Bergstraßen mit den ganzen LKWs in den Kurven zu überholen. Inshallah…inshallah….- bei strömendem Regen, wohlgemerkt!

Als wir in Pokhara ankamen, war ich von der Größe der Stadt überrascht. Irgendwie dachte ich, es wäre ein kleines Dörfchen. Aber wir haben ohnehin die Stadt wieder verlassen und sind irgendwann einen tierisch dunklen Bergpfad hochgefahren (mit dem guten Suzuki). Oben angekommen wurden wir dann mit Taschenlampe in Empfang genommen und mußten nur noch ein paar „Stufen“ hoch.

 

Stufen

Stufen

 

Das „Castle Resort“ wird von einem Irischen Hippie namens Joe, 70 Jahre alt (und seiner Frau, 35 Jahre alt) betrieben. Joe hat auch einen Irish Pub angebaut, wo ich mich sogleich wiederfand. Er hat außerdem 3 Boxer, wobei zwei davon auf dem Dach wohnen, seit sie ihre Mutter angegriffen haben. Darüber hinaus hat er noch einen ausgestopften Boxer, welcher im Eingangsbereich „lebt“.

 

Pub

Pub

 

Joe raucht den ganzen Tag Pfeife und abends wird Bier getrunken. Als wir ankamen hatte er gerade Besuch vom Nachbarn. Dieser hatte ein Huhn als Gastgeschenk mitgebracht. Uns wurde zur Begrüßung Chicken Tikka serviert.

Ich bin jetzt in meinem Zimmer und leicht angespannt hier im Niemandsland. Ich höre nur Grillen zirpen und andere tierische Geräusche. Es ist stockdunkel draußen. UND: Es gibt auch Schlangen! Ich möchte keiner begegnen. Bitte!!!

 

Tag 4

Oh ist das schön hier! Im Hellen sieht das doch gleich viel besser aus. Dieser nette Ausblick auf den See – es ist einfach ganz besonders lieblich.

Nun ist es inzwischen 17 Uhr 30 und ich ich liege gerade mit einer Maske vom Toten Meer unterm Moskitonetz (ich bin so sehr zerstochen), nachdem wir heute unten im Dorf den See gecheckt haben. Der Weg dahin war nicht ohne – ich muss unbedingt morgen die hübschen Turnschuhe anziehen. Wir wohnen fast IN den Reisfeldern in den Bergen, mit Büffeln und Kühen überall (auch Ziegen sind hier vertreten). Wir haben uns ein Boot gemietet (mit Fahrer, Dubai Style) und sind über den Phewa See gefahren. Dabei haben wir „Jetzt fahr’n wir übern See“ gesungen (also, in meinem Kopfkino zumindest). Auf dem Boot sollte man sich lieber nicht bewegen. DAS war eher nicht so Dubai Style. Aber die Landschaft war superschön. Ich könnte hier fast zum Naturburschen werden. (Die Betonung liegt auf…naaa? FAST, richtig).

 

Reisfelder

Reisfelder

 

Heute gab es auch endlich MOMOs zu essen, so kleine Dumplings. Voll gut. Außerdem haben wir vom See aus die ganzen Paraglider aus den Bergen kommen sehen und prompt wurde der Paraglide Flug beim Momo-Mann gebucht.

Als Heimweg hat sich Progress den lustigen „Treppen“aufstieg durch den Dschungel ausgedacht. Jetzt, 1 Stunde später, ist mein Kopf nicht mehr komplett dunkelrot. Nur noch rosa. Aber heil angekommen und keiner Schlange begegnet!

Ich muss mich jetzt pubfein machen.

 

Tag 5

Gestern Abend – wo auch sonst – bin ich in Branigan’s Pub „versackt“. Ein anderer Nachbar war zu Besuch und es stellte sich heraus, dass er Paraglide Pilot ist, bei der Firma wo ich auch gebucht habe. Morgen ist er mein Pilot.

Heute hat es leider bis 13 Uhr geregnet, aber dann chillt man im Pub und trinkt Filterkaffee aus der Bodum. Dann sind Progress (also dieser Name…) und ich ins Dorf runtergelatscht und haben ein Motorrad ausgeliehen. Samt Helm für den Begleiter (wooohooo!). Gut, soooo groß sind die Schlaglöcher auch nicht (alle) und manchmal gibt es auch in den Bergen halbausgebaute Straßen. Oft aber auch nicht. So spannend jeder Tag ist, bin ich jeden Abend heilfroh, wenn ich das „Schloß“ im Ganzen erreiche.

Heute waren wir beim Devis Fall – dem Wasserfall der NICHT von oben kommt, sondern einfach in der Erde verschwindet. Soll noch mal einer sagen „Wasserfälle. Kennste einen kennste alle“ Nee nee…so einfach ist das nicht.

 

Steffi am Wasserfall

Steffi am Wasserfall

 

Auf dem Weg zur nächsten Station wurde schon wieder ein Toter die Straße entlang getragen, zu seiner Verbrennung.

Weiter ging es nun zum „World Peace Pagoda, einem Buddhistischen Kloster, erbaut von einem Japaner, um den Weltfrieden zu promoten. Die Sicht war ganz gut.

 

World Peace Pagoda

World Peace Pagoda

 

Dann ging es weiter auf den Sarangkot Berg (da geht’s morgen auch zum Paragliden hin) und wenn es nicht bewölkt ist, sieht man von hier aus die gesamt Annapurna Range, die ohne Wolken wunderschön aussieht:

In der Monsoon Zeit sieht es eher verhangen aus und man kann sogar Adler sehen.

 

Adler

Adler

 

Die Wolken haben sich aber tatsächlich ein bißchen verzogen und der Anblick war schon MIT der Hammer. HIMALAYA!!!!!! Wow!

Auf dem Heimweg haben wir noch Fratzen gesehen (Büffel ist jetzt eher nicht so meins) und dann ging es wieder heim.

Gehe gleich noch mal rüber in den Pub. What to do? Joe verkauft mir auch Roxy Reiswein den die Nachbarin selbstgemacht hat – mit Pfirsichen aus dem Garten. Lecker. Ich sitze immer sehr gerne draußen vor der Tür, bis es fast dunkel ist. Dann laufe ich ganz schnell rein, mache alle Fenster und Vorhänge zu und fühle mich wie eines der drei kleinen Schweinchen, wenn ich mich etwas fürchte. Hatte auch schon dreimal einen Regenwurm im Zimmer. Richtig ekelhaft. Habe ich aber selbständig ausgesetzt…ok, besser gesagt ausgeworfen!!

MORGEN MUSS GUTES WETTER SEIN! Paragliding!!!

So – nun bin ich gewappnet. Habe vorhin vom Koch nen MOMO Kochkurs bekommen.

 

Momo

Momo

 

Wunderbar, ich bin zufrieden! Alle haben gesagt, es hätte ihnen geschmeckt!

Mir ist heute noch aufgefallen, dass ich neulich noch am tiefsten Punkt der Erde war (Jordanien, Totes Meer) und mich nun „quasi“ neben dem höchsten Berg der Welt befinde. Habe entschieden, das steht sinnbildlich für meine rosige Zukunft.

 

Tag 6

Tag des Himalaya-Paragliding. Ich bin um 8 Uhr aufgewacht (um 9.30 sollte ich fliegen) und gleich zum Fenster gerannt (50cm, also bis zum Fenster). Es hat geregnet!!! Bis 13..30 saß ich mit meinem gepackten Rucksack in der Gegend rum und habe darauf gewartet, dass sich die Wolken verziehen (aufgehört zu regnen hatte es gegen 11Uhr). Progress hat die ganze Zeit gesagt, die würden anrufen, wenn es losgehen könnte. Irgendwann bin ich dann an den Pool gegangen (teilweise ist etwas Wahres an dem Gefasel in meinem „Spirituellen Wegweiser Buch“. Genieße den Moment. Hätte ich mal—-hätte hätte Fahrradkette). Um 14.30 Uhr hat mich dann tatsächlich Ramaraj (der Nachbar und Pilot) mit seinem Motorrad abgeholt und wir sind gerade ca. 10 Minuten mit dem Jeep gefahren…da hieß es „wir können heute nicht fliegen. Der Wind steht zu schlecht.“ NEIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIN!!! Ich war ja SOOO traurig. Es war ja mein letzter Tag. Ramaraj ist dann mit mir um den See gefahren, in ein kleines Fischerdorf, wo wir Minifische aus dem See gegessen und Roxy getrunken und gequatscht haben. Immerhin konnte ich mal der Karmaquasselstrippe Progress für ein paar Stunden entfliehen, der mir schon ziemlich auf den letzten Nerv ging. So haben wir das Beste aus dem verbleibenden Tag gemacht und zur Krönung noch einen Momo Pot im hiesigen Haushaltsladen (Böllhof – Pokhara Branch…für die Insider) erstanden.

Am Abend war ich dann gar nicht mehr der einzige Gast. Ein Pärchen (Irish/ Welsh) kam zum Abchillen nach dem Everest Trekking vorbei und ist gleich eingezogen. War sehr nett, mal andere Gesichter zu sehen. Leider musste ich feststellen, dass Joe seine Reisegeschichten (er ist sein ganzes Leben lang durch die Welt gereist und hat jeden Abend sehr spannende Geschichten erzählt) 1:1 von Neuem erzählt und so war ich nicht traurig, dass der letzte Abend angebrochen war. Außerdem war die Abfahrt am nächsten morgen für 6 Uhr angesetzt.

 

Tag 7

Nach pünktlicher Abfahrt um 6.40 Uhr fand ich mich in dem heißgeliebten Suzuki wieder. Progress, stets zu Diensten, hatte diesmal glücklicherweise auf dem Beifahrersitz Platz genommen. OBWOHL ich mich schlafend gestellt habe, hat er die ganze Zeit – wie ein kleines Kind – „GUCK MAL HIER…GUCK MAL DA!“ geschrieen. Er wollte mich auch dauernd zum Frühstück unterwegs überreden, in „Touri“ Restaurants seiner Freunde (in Nepal ist man nach einem Small Talk übers Wetter gleich ein neuer Freund). Ich hatte aber keine Lust auf die Abzocker Tour (so langsam hat auch Schaf Steffi die Masche durchschaut) und erst nach dem dritten Anlauf, als ich wirklich schon sehr hungrig war, habe ich eingewilligt.

Progress ist nämlich durchaus ein kleines Schlitzohr und karmatechnisch nicht immer 100% p.c.!

Von Anfang an hat er mir nämlich erzählt, dass er dauernd Geschenke von seinen Freunden bekommt, u.a. ein Motorrad von einem Freund aus Deutschland, eine Europareise von einer Freundin aus der Schweiz. Ein Laptop…er würde mir natürlich auch alles als Freund zeigen (wie gesagt, ich weiß bis jetzt nicht, welche Rolle er in diesem Film gespielt hat). Als ich meinen Paragliding Flug gebucht hatte, hat er ganz traurig gesagt „Hab ich noch nie gemacht“…was er wohl von seiner Freundin aus Deutschland erwartet hat? Irgendwann war ich auch schon echt abgenervt und tierisch geladen. Er hat immer gefragt, was irgendwas kosten würde oder gekostet hat (wie z.B. der Skydive) und ich habe immer untertrieben und mich beim Geld ausgeben schlecht gefühlt, obwohl ich kaum Geld ausgegeben habe. Er würde auch nie Geld für sich ausgeben (ja nee, lieber schnorren!) sondern alles für sein Kinderheim aufsparen. Wirklich eine supergute Sache – er hat mit ein paar anderen ein Kinderheim in Kathmandu gegründet, für Waisen. Allerdings habe ich an die Existenz vorerst nicht richtig geglaubt, weil er so übertrieben oft erzählt hat, dass er Angst hat, ohne Support den Kindern nicht mehr lange helfen zu können. So kam es, dass mich mein letzter Stop (nach zwei weiteren Tempeln in Kathmandu – brauche jetzt für die nächsten 10 Jahre keinen Tempel mehr besichtigen, egal wo auf der Welt) in ein Kinderheim in Kathmandu führte. Es gab es also wirklich. Gerochen hat es nach Klo (ok – nach richtig ekliger öffentlicher Toilette und noch ekliger) und sauber war es auch nicht so richtig, eher gar nicht. Ich hatte den Kindern Süßigkeiten mitgebracht; wusste nicht, was sonst und mit leeren Händen mochte ich nicht ankommen. Sie kamen dann 26 Kids von der Schule und haben sich alle aufgestellt und jeder einzelne kam dann in Progress’ Büro, wo die Tante mit den doofen Süßigkeiten saß. Jeder einzelne hat sich vorgestellt, gesagt in welche Klasse er geht, wo er herkommt und wo er wohnt. Als ich etwa zum 13. Mal gehört habe „und ich wohne im XY Kinderheim in Kathmandu“ schossen mir die Tränen in die Augen. Diese armen, kleinen, schmuddeligen Würstchen mit den großen, traurigen Kulleraugen…Na klar – sie haben ein Dach überm Kopf und sie können zur Schule gehen. Aber ich habe vorher so etwas noch nicht so direkt gesehen und war wirklich fertig.

 

Waisenhaus

Waisenhaus

 

Waisenhaus

Waisenhaus

 

Aber es war ein sehr guter, zum Nachdenken anregender Abschluss meiner Reise nach Nepal.

Es war zwar weniger „einsam“ und spirituell als ich zunächst dachte, allerdings lag dies auch daran, dass ich für mich festgestellt habe, dass ich einfach nicht der spirituelle Typ bin. Die Realität hilft besser zum Nachdenken, Reflektieren und Weiterentwickeln als jedes Buch und jedes Karmagefasel. Und unterm Strich war es einer der besten Urlaube, die ich je gemacht habe.

Ich wusste nicht, was mich vorher erwartet und ein bißchen mulmig war mir auch zumute, als ich anfangs den Flughafen in Kathmandu verließ, doch es hätte nicht besser kommen können (abgesehen vom „Paragliding Canceling“).

Ich werde auf jeden Fall auch wiederkommen – zum Trekking auf das Everest Base Camp. Und das meine ich auch so! Ein supergutes Land und sofern die Menschen nichts mit dem Tourismus zu tun haben – ehrlich und ohne Hintergedanken sehr (gast)freundlich.

Und so kann ich allen nur raten: Denkt an die Zukunft aber lebt auch mal für den Moment. Es gibt Dinge, die kann man kurz- oder auch langfristig ohnehin nicht ändern. Es gibt verschiedene Kulturen, Religionen und man kann die Welt nicht umdrehen, aber man kann versuchen, ihr freundlich zu begegnen, sie ein kleines Stück besser zu machen und Dinge die anders sind zu akzeptieren. Ich übe mich auch in der Regel aus dem ersten Kapitel.

So – nun habe ich ein Stück Weisheit geteilt und fange an zu packen, um zurück nach Deutschland zu gehen –mit einem weinenden und einem lachenden Auge!!!!

 

Bildergalerie: Nepal

Bildergalerie: Nepal