Am 11. und 12. Januar 2013 fand in Dubai in Motorcity auf dem Motodrom zum achten Mal ein 24-Stunden-Rennen statt: Dunlop 24H Dubai.

Ich begleitete 3 Tage lang backstage ein Team, von dem ein Fahrer deutschsprachig und in Dubai zuhause ist: Klaus Kresnik aus Kärnten, der seit seiner Kindheit verrückt ist nach Autos und Geschwindigkeit. Er begann seine Rennkarriere 1994 mit einem Go-Kart-Rennen und ist im normalen Leben technischer Verkaufsspezialist für das Softwareunternehmen Symantec. In seiner Freizeit arbeitet er als Renninstruktor an der Yas Marina Rennschule in Abu Dhabi auf der Formel 1 Strecke und fährt immer wieder Autorennen.

 

Klaus Kresnik

Klaus Kresnik

 

Bei den 24 Stunden von Dubai fuhr er zusammen mit Toni Büeler aus der Schweiz, Kane Astin aus England und Chris Gleesen aus Australien für das niederländische RED CAMEL – Jordans Team auf einem Vierzylinder-2000cc Seat Leon 2.0 Tdi mit der Startnummer 116 in der D1 Klasse. Das Team fuhr zum ersten Mal zusammen, aber was die Männer definitiv alle gemeinsam haben ist, dass sie diesen Sport als Hobby betreiben und alle „ein klein wenig verrückt“ nach diesem teuren Hobby sind.

 

Fahrer

Fahrer

 

Das gesamte Team bestand allerdings nicht nur aus den 4 Fahrern sondern zusätzlich aus 6 Mechanikern und 2 Tankern, denn jedes Auto wird von eigenen Leuten technisch betreut und auch betankt.

 

Gesamtteam

Gesamtteam

 

Das Rennen wurde in 14 Klassen gefahren, die sich nach dem Hubraum richten und auch danach ob Benziner oder Diesel. Die Startaufstellung erfolgte dann nach den einzelnen Klassen und innerhalb der Klasse nach der im Qualifying erreichten Zeit. Nach 24 Stunden Fahrzeit kommt am Schluss nur der in die Wertung, der nach dem führenden Fahrzeug die Zielflagge auf der Ziellinie passiert hat.

Gemeldet waren für dieses Rennen 85 Autos mit im Schnitt 4 Fahrern. Maximal kann mit 5 Fahrern das Rennen bestritten werden, minimal mit 2. Die höchste zulässige Fahrzeit pro Fahrer auf einmal ist 2 Stunden, es kann aber auch früher gewechselt werden. Bei jedem Fahrerwechsel wird das Auto kurz gecheckt, die Scheiben und Lichter werden gesäubert und der neue Fahrer fährt als erstes zur Tankstelle, um wieder voll zu tanken, bei jedem zweiten Fahrerwechsel werden üblicherweise die Reifen getauscht.

Eine Runde auf dem Race Course von Dubai ist 5,39 km lang und die gefahrenen Zeiten lagen zwischen knapp 2 Minuten und 2 Minuten 42 Sekunden. Jeder Fahrer muss sich im Qualifying durch 2 Runden qualifizieren, bei denen die Zeit offiziell genommen wurde, auch muss jeder Fahrer am Nachttraining teilgenommen haben.

Nachdem das Fahrerdorf mit allen Containern bereits am Mittwochabend fast fertig war, fanden dann am Donnerstag die Trainings statt, anschließend am Nachmittag das Qualifying und abends noch ein Nachttraining, damit die Fahrer ein Gefühl für die dunkle Strecke entwickeln konnten. Dabei wird in den Teams entschieden, in welcher Reihenfolge die Fahrer an den Start gehen: Meistens sind der 1. und 4. Fahrer die mit den besten Rundenzeiten.

Das Red Camel Team hatte durch Klaus Kresnik im Qualifying die Pole Position in der Gruppe D1 herausgefahren, die absolute Pole hatte das Abu Dhabi by Black Falcon Team im Mercedes SLS AMG GT3. Dieses lokale Team führte somit das gesamte Starterfeld an und zog viel Medieninteresse auf sich.

Ein reines Frauenteam aus Holland, Racing Divas Team Schubert, lockte auch viele Fotographen an mit einem BMW 3200 in Weiß und Pink mit vielen Herzchen. Dieses Frauenteam gibt einen Teil der Sponsorengelder an die ALS Foundation, die sich mit der Forschung für die bisher unheilbare Krankheit Amyotrophische Lateralsklerose (Muskellähmung) beschäftigt.

 

Racing Divas

Racing Divas

 

Am Freitag nachdem alle Autos auf der Strecke ihre Startaufstellung eingenommen hatten, konnten die Zuschauer nochmals auf die Strecke um die Autos und ihre Fahrer aus der Nähe zu betrachten. Was für eine riesige Schlange von Autos, auch wenn es „nur noch“ 80 waren, die starteten, weil 5 schon beim Training einen Unfall hatten und nicht mehr an den Start gehen konnten.

Nachdem die Strecke vom Publikum geräumt war ging das Feld auf seine 2 Einführungsrunden und dann erfolgte ein fliegender Start. Jedes 24 Stunden Rennen auf der Welt beginnt immer um 14 Uhr und so ging das Feld auch hier um 14 Uhr 03 auf die Piste – die Motoren heulten auf und los ging’s für die 80 Fahrzeuge.

 

Autos auf der Piste

Autos auf der Piste

 

Bei 24-Stunden-Rennen gab es bisher keine tödlichen Unfälle, denn die passive Sicherheit ist in den Fahrzeugen sehr groß. Das Fahrzeug ist mit einer kompletten Rohrrahmenkonstruktion und einem abnehmbaren Lenkrad ausgestattet. Die Fahrzeuge sind sehr leicht, was ich auch als Laie feststellen konnte, als ich nur die Tür öffnete, die sich anfasste als hätte sie kein Gewicht. Die Fahrer tragen feuerfeste Unterwäsche, feuerfeste Anzüge und die Helme haben kleine Augenschlitze und sind innen feuerfest verkleidet. Außerdem fahren alle mit dem Head-And-Neck-Support-System (HANS), das auf den Schultern aufliegt und hinten am Helm befestigt ist, so kann der Fahrer mit dem Kopf keine Drehbewegungen machen und sich bei einem Unfall auch nicht so leicht den Hals brechen. Außerdem befindet sich in jedem Auto ein Feuerlöscher.

Allerdings muss man natürlich auch bei dieser Art Rennen mit einem so großen Starterfeld mit falschen Reaktionen von anderen rechnen und so kommt es immer wieder zu Gefahrensituationen. Bereits in der 2. Runde brannte z.B. ein Porsche so weit aus, dass er nach den Löscharbeiten nicht mehr zu reparieren war.

 

Renn-Aus

Renn-Aus

 

Auch während der Nacht gab es immer wieder „Code 60“, das heißt eine Gefahrensituation, wo alle Fahrer dann auf 60km herunterbremsen mussten bis die Gefahr vorbei war. Ganz deutlich konnte man immer an der Geräuschkulisse in Motorcity hören, wenn gerade Code 60 war, denn dann hörte man fast gar kein Motorengeräusch im Vergleich zu den Full-Speed-Phasen.

„Mein“ Team hatte bis zum frühen Morgen kein Problem und lag in seiner Klasse in Führung, bis dann Toni Büeler von einem anderen Fahrzeug touchiert wurde.  Danach stellte man in der Boxengasse fest, dass die Spurstange gewechselt werden musste: Zeitverlust und damit Platz 2 in der Klasse. Ein größeres Problem kam aber vor dem letzten Fahrerwechsel zu Klaus Kresnik auf: Das Auto wollte nicht mehr und nach einigen Untersuchungen stellten die Mechaniker fest, dass ein Kurbelwellensensor defekt war – ein Teil für wenige Dirham bewirkte eine längere Reparaturzeit und so ging Klaus Kresnik mit einem Zeitverlust von einigen Minuten auf die Strecke, den er mit einer Wahnsinnsfahrt fast aufholte – leider nur fast, denn nach den 24 Stunden fehlten nur 3einhalb Minuten zu Platz 1 der Klasse D1.

 

Red Camel Team

Red Camel Team

 

Aber sicher kann man sagen, dass alle Fahrer, die nach 24 Stunden ihr Fahrzeug sicher über die Ziellinie brachten, einen persönlichen Erfolg errungen haben – ganz unabhängig von der Platzierung.

Platz 1 in der Gesamtwertung errang das Team Abu Dhabi by Black Falcon mit dem Localmatador Kahled Al Qubaisi, dem Niederländer Jeroen Bleekemolen, dem Briten Sean Edwards und dem deutschen Tourenwagenfahrer Bernd Schneider auf Mercedes SLS AMG GT3, Platz 2 ging an einen AF Corse Ferrari 458 und Platz 3 an einen Aston Martin V12 Vantage.

 

Siegerehrung

Siegerehrung

 

Jeweils ein Fahrer der drei Erstplatzierten durfte auf einem Kamel zur Siegerehrung reiten – sicher einzigartig auf der Welt als Verbindung zwischen Tradition und Moderne.

Nach der Siegerehrung und Pokalverteilung wurden noch viele Fotos gemacht und so langsam leerten sich dann die Boxen und das Fahrerlager und viele verabschiedeten sich mit: See you again 2014!

Ich bedanke mich hier beim Red Camel – Jordans Team für die gute Zusammenarbeit und die vielen Informationen und bei Margrit Kresnik für die Einführung in das Team und dass sie mir auch einige Bilder zur Verfügung gestellt hat.

 

Bildergalerie: 24h Dubai (Teil 1)

Bildergalerie: 24h Dubai (Teil 1)

 

 

Bildergalerie: 24h Dubai (Teil 2)

Bildergalerie: 24h Dubai (Teil 2)

 

 

Bildergalerie: 24h Dubai (Teil 3)

Bildergalerie: 24h Dubai (Teil 3)

 

 

Bildergalerie: 24h Dubai (Teil 4)

Bildergalerie: 24h Dubai (Teil 4)