Das Thema „Heirat“ in einem arabischen Land ist etwas, was viele interessiert und wovon die meisten sehr wenig wissen. Vor allem wenn man dann von einem „Man‘s Wedding“ und „Woman‘s Wedding“ spricht, bekommen einige ganz große Augen.

Am 6. April hatte ich wieder mal die Gelegenheit zusammen mit Uschi Musch und einigen anderen europäischen Frauen an einer lokalen Hochzeit teilzunehmen, natürlich am „Woman’s Wedding“.

An diesem Tag heiratete Achmed, der jüngste Sohn von Obaid Humaid Abid Al Muhairi, aus einer sehr traditionellen Familie die junge Metha.

Die große weiße Hochzeit stellt das Ende der traditionellen Hochzeitsfeierlichkeiten dar.

In den meisten Fällen wird für diese Hochzeit ein enormer Aufwand betrieben und sehr viel Geld ausgegeben.

Die weiße Hochzeit wird von den Bräutigameltern bezahlt, manchmal aber von der Brautmutter organisiert. In vielen Fällen wird auch eine Wedding-Planerin eingeschaltet, die sich dann bereits Wochen vorher um alles kümmert wie z.B. um die Auswahl der Farben, um die gesamte Organisation der Technik und der Einbauten sowie um Tischgestaltung und Menuwahl.

Die Al Muhairi Wedding fand im Ballsaal vom Madinat Jumeirah statt: Im großen Ballsaal war das Woman’s Wedding, im kleinen daneben das traditionelle Man’s Wedding.

Als wir gegen 20 Uhr ankamen tanzte eine Gruppe von Männern vor dem Eingang zur Man’s Wedding den traditionellen Stocktanz – die Ayala. Wir wurden von den Brüdern des Bräutigams willkommen geheißen und durften sowohl zusehen wie auch fotografieren.

 

Ayala

Ayala

 

Danach verschwanden die Männer in ihrem Saal um dort zu essen und wir gingen in den Frauen-Saal. Im Eingangsbereich konnte man offizielle Fotos machen lassen, ansonsten war das Fotografieren ab jetzt verboten. Hier saßen auch die Mütter und Schwestern von Braut und Bräutigam und begrüßten die Hereinkommenden.

 

Ballsaal

Ballsaal

 

Der Saal selbst war schön geschmückt und die Tische hübsch eingedeckt und mit Blumen verziert. Vom Eingang bis in den hinteren Bereich führte eine Art Laufsteg ganz in Weiß und darauf stand die so genannte Kusha, eine Art Sofa auf der später Braut und Bräutigam Platz nahmen.

 

Tischdekoration

Tischdekoration

 

Auf dem Tisch standen bereits kleine arabische Vorspeisen und dauernd wurden Süßigkeiten, sowie Kaffee und Tee gereicht. Nach und nach füllte sich sehr langsam der Saal.

Da ja nur Frauen im Saal waren (auch Service-Personal und Musiker sind bei der Woma’s Wedding weiblich, sind männliche Musiker dabei müssen diese hinter einem Paravent spielen), zogen viele Gäste ihre Abajas aus und man sah wundervolle Abendkleider teilweise mit atemberaubenden Ausschnitten. Auch die vielen kleinen Mädchen waren sowohl liebevoll geschminkt wie auch in tolle Kleider gehüllt.

Frauen liefen herum mit großen Parfumflaschen und mit Oud und boten diese Wohlgerüche den Gästen an.

Erst gegen 22 Uhr 30 wurde dann das Essen aufgetragen, traditionell auf großen Platten. Auch die Speisen waren an die Tradition angelehnt, es gab Ouzi, ein ganzes Lamm in gewürztem Reis, Hariss, eine lange gekochte Spezialität mit Lammfleisch und vieles mehr. Und dazu immer wieder Süßigkeiten, Softdrinks sowie traditionellen Kaffee und Tee. Ich brauche wohl nicht zu betonen, dass es auf den Hochzeiten keinen Alkohol gibt.

Erst nach 23 Uhr wurde ein spezielles Lied gespielt, was den Segen Allahs für die Braut und ihren Ehemann bringen soll und allen anzeigt, dass jetzt gleich die Braut erscheinen wird. Die Braut kam ganz langsam herein, lief über den Laufsteg und präsentierte sich würdevoll den Gästen.

Sie trug ein wundervolles hautenges matt-weißes Kleid mit Schleppe und konnte darin nur ganz kleine Schritte machen. Sie war perfekt geschminkt, ihre Haare waren kunstvoll mit Blumen hochgesteckt, sie hatte einen weißen Strauß in der Hand und sah einfach wunderschön aus, auch wenn sie etwas angespannt wirkte.

Es wurden von der offiziellen Fotografin Bilder gemacht und alle Frauen waren zu diesem Zeitpunkt noch unverhüllt. Die Braut setzte sich dann auf die Kusha und einige Zeit nach ihrem Eintreffen kam dann der Bräutigam. Vor seinem Hereinkommen wurden von einigen Frauen schrille Laute ausgestoßen, alle Frauen verhüllten sich und die Männer betraten den Saal, d.h. der Bräutigam kam mit den Vätern, den Brüdern und Onkeln.

Der Bräutigam in einer schwarz-goldenen Khandora küsste seine Braut auf die Stirn und setzte sich neben sie. Es wurden Bilder zusammen mit den männlichen Verwandten gemacht, anschließend auch mit den verschleierten weiblichen Verwandten. Zu dieser Zeit befanden sich nur Verwandte auf der Bühne. Als das alles geschehen war, verließen alle Männer außer dem Bräutigam den Saal. Nun wurden noch offizielle Bilder der Brautleute gemacht, zusammen mit den vielen Kindern.

Danach wurde der Hochzeitskuchen hereingerollt und von den Brautleuten gemeinsam angeschnitten. Anschließend wurden den Brautleuten zwei Fruchtdrinks gereicht und der Bräutigam ließ seine Braut aus seinem Glas trinken und die Braut ihn aus ihrem und dann gab er ihr eine Gabel Kuchen in den Mund und sie rechte ihm ihre Gabel.

Als diese Zeremonie abgeschlossen war verließ die Braut am Arm ihres Mannes ganz langsam den Saal. Danach fuhren die beiden in diesem Fall in das Zuhause des Bräutigams und waren dann zum ersten Mal als Mann und Frau zusammen.

Nachdem das Brautpaar den Saal verlassen hatte, gingen viele der Frauen und auch wir schnell nach Hause.

Manchmal feiern allerdings die Frauen noch bis in die frühen Morgenstunden weiter.

Für uns 9 deutschsprachige Frauen war es ein Erlebnis, bei einer solchen Hochzeit dabei zu sein – unter ca. 400 einheimischen Frauen.

So sollte sich keine Expat-Frau die Gelegenheit entgehen lassen, wenn sie zu einer traditionellen arabischen Hochzeit eingeladen ist.

 

Hochzeit auf Arabisch

Hochzeit auf Arabisch