Bildung kann Leben verändern und neue Perspektiven eröffnen – auch hinter Gefängnismauern. Mit diesem Gedanken veranstaltete die Sheikh Saud bin Saqr Al Qasimi Foundation for Policy Research am 4. und 5. November 2026 in Ras Al Khaimah einen internationalen Dialog unter dem Titel „Education in Prison: Bridging Policy and Practice“.
An der zweitägigen Veranstaltung nahmen 25 regionale und internationale Vertreter aus Regierungsbehörden, Justiz, Strafvollzugs- und Rehabilitationseinrichtungen sowie Bildungsexperten teil. Organisiert wurde der Dialog in Zusammenarbeit und mit fachlicher Unterstützung der UNESCO und des UNESCO Institute for Lifelong Learning (UIL).
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Bildungsangebote in Gefängnissen verbessert werden können, um Strafgefangenen neue Chancen zu eröffnen und ihre erfolgreiche Wiedereingliederung in die Gesellschaft zu unterstützen.
Über 5.000 Strafgefangene profitierten bereits
Die Al Qasimi Foundation engagiert sich bereits seit 2011 gemeinsam mit der Justizvollzugsanstalt von Ras Al Khaimah für die Bildung von Strafgefangenen.
Was mit der Einrichtung einer Gefängnisbibliothek begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem umfassenden Bildungsprogramm. Mehr als 5.000 Insassen konnten bisher an über 150 Kursen teilnehmen.
Die Bibliothek umfasst inzwischen mehr als 9.000 Titel und wurde 2026 vom UNESCO Institute for Lifelong Learning als vorbildliches Praxisbeispiel anerkannt.
Dr. Natasha Ridge, Executive Director der Al Qasimi Foundation, betonte in ihrer Eröffnungsrede, dass Bildung im Mittelpunkt der Arbeit der Stiftung stehe. Sie könne Leben verändern, Chancen schaffen und zu stärkeren, integrativeren Gemeinschaften beitragen. Jeder Mensch solle die Möglichkeit erhalten, sein Potenzial zu entwickeln – auch außerhalb traditioneller Klassenzimmer.
Internationale Erfahrungen und neue Ansätze
Während der beiden Veranstaltungstage diskutierten die Teilnehmer über Bildungsangebote in Gefängnissen im Mittleren Osten und Nordafrika sowie über internationale Erfahrungen. Dabei ging es unter anderem um unterschiedliche Lernmöglichkeiten, geschlechtsspezifische Aspekte und notwendige politische und institutionelle Rahmenbedingungen.
Einen der Hauptvorträge hielt Dr. Baz Dreisinger vom John Jay College of Criminal Justice in New York unter dem Titel „Education Not Incarceration: A Global Practice“.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Bedeutung von Gefängnisbibliotheken. Miguel Rivera Donoso vom chilenischen Ministerium für Kultur, Kunst und Kulturerbe leitete dazu einen Workshop und zeigte auf, wie Bibliotheken zu lebendigen Lernorten werden können.
Er machte deutlich, dass eine Gefängnisbibliothek weit mehr sei als ein Ort, an dem Menschen Bücher lesen, um sich die Zeit zu vertreiben. Sie könne ihnen helfen, sich selbst neu zu entdecken, ihre Perspektiven zu verändern und einen ersten Schritt in ein anderes Leben zu machen.
In einer von Dr. Matthias Eck von der UNESCO moderierten Diskussionsrunde wurden zudem Hindernisse und Möglichkeiten zur Verbesserung der Gefängnisbildung in den GCC-Staaten erörtert. Am zweiten Tag stand besonders die praktische Umsetzung entsprechender Bildungsprogramme in Ras Al Khaimah und den gesamten VAE im Mittelpunkt.
Bildung als Chance für einen Neuanfang
Mit diesem internationalen Dialog unterstrich die Al Qasimi Foundation erneut ihr langfristiges Engagement für Bildung und gesellschaftliche Entwicklung.
Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse, politische Entscheidungen und praktische Erfahrungen stärker miteinander zu verbinden und damit nachhaltige Verbesserungen im Strafvollzug zu ermöglichen.
Denn Bildung bedeutet nicht nur, Wissen zu erwerben. Sie kann auch Selbstvertrauen schaffen, neue Wege aufzeigen und Menschen dabei helfen, nach ihrer Haftstrafe wieder einen Platz in der Gesellschaft zu finden.
Und manchmal beginnt eine zweite Chance ganz einfach mit einem Buch!!
