Seit 20 Jahren ist das German Neuroscience Center der führende medizinische Anbieter für Neurologie, Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie in Dubai und darüber hinaus.

Hier arbeiten 26 Psychologen (einige davon deutschsprachig) und 7 Psychiater (alle deutschsprachig).

Eine deutsche Psychologin ist Laura Simonis –  CDA-lizenziert und vom deutschen Berufsverband zertifiziert als Verhaltenstherapeutin.
Da es keinen einheitlichen Therapieansatz gibt und jeder Mensch einzigartig ist, passt Laura ihre Arbeit individuell an die Bedürfnisse und Ziele ihrer Klienten an.

Hier beantwortet sie Fragen zur gegenwärtigen Situation:

  1. In einer Stadt, die sich selbst als eine der sichersten der Welt vermarktet:
    Was passiert psychologisch, wenn Bewohner plötzlich sicherheitsbezogene
    Störungen hören oder miterleben?

In Umgebungen, die als sehr sicher und stabil wahrgenommen werden, können selbst kurze sicherheitsbezogene Störungen sehr destabilisierend wirken. Menschen erleben eine plötzliche Unterbrechung ihres Gefühls von Vorhersagbarkeit und Kontrolle. Das Gehirn reagiert auf Unsicherheit oft schnell mit erhöhter Wachsamkeit, scannt nach möglichen Gefahren, und es kommt häufig zu verstärktem Konsum von sozialen Medien sowie körperlichen Stressreaktionen wie Anspannung oder Schlafstörungen. Dabei geht es weniger um das objektive Ausmaß der Bedrohung, sondern vielmehr um die unerwartete Erschütterung der bisherigen Sicherheitsannahmen.

  1. Wie wirkt sich die Konfrontation mit Unsicherheit – selbst wenn sie nur kurz anhält – auf Familien aus, insbesondere auf Kinder in Gesellschaften, die nicht an Konflikte gewöhnt sind?

Erwachsene versuchen häufig, ihre Fassung zu bewahren, aus dem natürlichen Bedürfnis heraus, ihre Kinder zu schützen. Kinder nutzen jedoch die emotionalen Signale ihrer Bezugspersonen, um uneindeutige Situationen zu interpretieren. Kinder reagieren sehr sensibel auf subtile Veränderungen im Tonfall, im Verhalten und in der emotionalen Atmosphäre. Besonders wenn Kinder bei ihren Bezugspersonen wahrnehmen, dass diese besorgt oder ängstlich sind, ist es wichtig, ihre Wahrnehmung zu validieren und nicht kleinzureden.
Wenn Erwachsene verängstigt wirken, gleichzeitig aber sagen „Es ist nur ein Feuerwerk“, kann das dazu führen, dass Kinder ihrer eigenen Wahrnehmung misstrauen und verwirrt werden. Für Kinder ist der Umgang mit dieser Verwirrung deutlich schwieriger als der Umgang mit der eigentlichen unsicheren Situation (die dann im Idealfall von Erwachsenen offen und kindgerecht benannt und begleitet wird). Altersgerechte Ehrlichkeit, kurze ruhige Erklärungen sowie das Aufrechterhalten von Routinen sind hier gefragt, um Kinder adäquat zu unterstützen.

  1. Ist es wahrscheinlich, dass verzögerte psychologische Reaktionen auftreten, selbst wenn das tägliche Leben oberflächlich betrachtet normal weiterläuft?

Ja. In stabilen Gesellschaften greifen viele Menschen zunächst auf kognitive Bewältigungsstrategien zurück („Das Leben geht weiter“, „Das wird vorübergehen“). Sobald die akute Phase jedoch nachlässt, können bei manchen Personen verzögerte Reaktionen auftreten, wie Reizbarkeit, Schlafstörungen, erhöhte Angst oder ein allgemeines Gefühl von Unruhe. Diese Reaktionen können subtil sein und werden möglicherweise nicht sofort mit dem ursprünglichen Ereignis in Verbindung gebracht.

  1. Welche Rolle spielt das Verhalten der Gemeinschaft – ruhige Kommunikation, institutionelle Reaktionen, sichtbare Ordnung – bei der Verhinderung von Panik oder langfristiger Angst?

Das Verhalten der Gemeinschaft oder “community” sowie die soziale Verbundenheit spielen eine entscheidende regulierende Rolle. Ruhige, klare und konsistente Kommunikation von Institutionen signalisiert Eindämmung und Kontrolle und kann kollektive Angst reduzieren.
Sichtbare Ordnung, zum Beispiel funktionierende Infrastruktur, normale Routinen und verantwortungsvolle Medienberichterstattung, helfen dabei, das Nervensystem auf gesellschaftlicher Ebene zu stabilisieren. Menschen regulieren Stress teilweise über soziale Signale. Wenn Menschen ruhiges und koordiniertes Verhalten von Institutionen und Führungspersonen beobachten, vermittelt dies Sicherheit und stabilisiert emotionale Reaktionen innerhalb der Gemeinschaft. Psychologisches Wohlbefinden und Stabilisierung wird nicht dadurch gestärkt, dass Unsicherheitgeleugnet wird, sondern dadurch, dass diese klar und verlässlich kommuniziert und gemanagt wird.

  1. Was können Einzelpersonen und Gemeinschaften Ihrer Erfahrung nach jetzt tun, um emotionale Resilienz aufzubauen, anstatt Angst zu internalisieren?

Auf individueller Ebene sind Faktoren wie das Begrenzen übermäßiger Exposition gegenüber kontinuierlichen Nachrichtenzyklen („Live-Ticker“), das Aufrechterhalten von Routinen und Schlafhygiene schützende Maßnahmen. Diese können die emotionale Regulationsfähigkeit in Zeiten von Unsicherheit unterstützen.
Auf gesellschaftlicher Ebene stärkt das Fördern von Verbundenheit – zum Beispiel über Schulen, Arbeitsplätze oder Nachbarschaftskommunikation – die Resilienz. Sozialer Zusammenhalt und wahrgenommene soziale Unterstützung stehen konsistent mit besseren psychischen Gesundheitsergebnissen in stressreichen Situationen in Zusammenhang.
Studien zeigen, dass Personen mit sozialer Unterstützung weniger psychische Belastung und eine bessere emotionale Regulation unter Stress berichten als Personen, die sozial isoliert sind (Ozbay et al., 2007; Padmanabhanunni et al., 2023).

  1. Was können wir hinsichtlich des Verhaltens erwarten, nachdem sich die Situation wieder beruhigt hat?

Nachdem sich die Situation stabilisiert, werden die meisten Menschen ihren normalen Alltag fortsetzen. Einige könnten jedoch eine erhöhte Sensibilität gegenüber zukünftiger Unsicherheit entwickeln, eine stärkere Wachsamkeit oder schnellere Stressreaktionen auf Nachrichten über geopolitische Spannungen zeigen. Eine Minderheit kann anhaltende Angst erleben, insbesondere Personen mit bereits bestehenden Vulnerabilitäten. Falls bestehende Belastungssymptome über einen längeren Zeitraum auch nach der bedrohlichen Situation andauern oder sich verschlechtern sowie die Alltagsfunktionalität beeinträchtigen, ist es immer ratsam, professionelle Hilfe zu aufzusuchen.

Das German Neuroscience Center befindet sich in Business Bay im Bay View Tower im 17. Stock

Kontakt:
www.gncdubai.com
Telefon:04 429 8578
Email: mail@gnc-dubai.com

Alles Gute für Sie alle!